Montag, 8. Mai 2017

Wahljahr

Es wird ja viel gewählt, dieses Jahr.
Rosenköniginnen, Käseprinzessinnen, Feuerwehrvorstände, Präsidenten in Frankreich und Landtage in NRW und SH.
Dabei fällt mir immer wieder eine lustige Episode aus dem letzten Jahrhundert ein.
Dazu muss ich vielleicht noch erwähnen, dass ich in einem Haushalt aufgewachsen bin, der Preußens Glanz und Gloria hinterhergetrauert hat. 
Mit Sozis, Rechten, Christdemokraten und auch Liberalen kann ich aufgrund frühkindlicher
Prägung nicht viel anfangen. Auch die Grünen sind mir suspekt. 
Der Konsum von „Ein Herz und eine Seele“, was bei uns gerne geguckt worden ist, hat mich weiterhin auch sehr tief geprägt.
Weder links, noch rechts – doch die Mitte ist von keiner Partei so richtig besetzt.
Eigentlich hätte ich gerne wieder einen deutschen Kaiser und einen eisernen Kanzler ;-)

Tja, und dann war ich kurz vor einer Wahl bei Bekannten – deren ganze Familie saß im Garten und faltete fleißig Flugblätter, die Stimmung war etwas angespannt.
Mein lockerer Spruch über das vermutlich desaströse Abschneiden der „Sozis“ hat die ganze Sache nicht besser gemacht.
Glücklicherweise hat Françoise mich da unbeschadet herausbugsiert – wenn Blicke allerdings töten könnten, wäre mein Grab schon kurz vor der Auflösung und Neubelegung. Denn ich hatte in einer durch und durch sozialdemokratisch gefärbten Familie bei der Ausführung von wichtigen Wahlhilfen mit einer bösen Bemerkung genau ins Schwarze (oder Rote *lol*) getroffen.

Seitdem bin ich etwas vorsichtiger bei meinen Äußerungen, muss aber im Nachhinein immer mal wieder über das Erlebnis von damals schmunzeln.

... und Ihr – habt Ihr auch eine Wahl, dieses Jahr?

Freitag, 5. Mai 2017

Noch immer präsent...

Letztens sprach ich mit einer Freundin, die gerade zum dritten Male Oma geworden ist.
Überglücklich erzählte sie von der gelungenen Geburt, alle gesund, alle wieder zu Hause.
Sehr froh war sie, dass die Geburt noch am 19.04. stattgefunden hat.
Denn der 20. ist ja Führers Geburtstag und das sei ja kein schönes Datum.

Besagte Oma ist übrigens schon deutlich Nachkriegsgeneration.

Auch in meiner Lehre wurde ich am 20.04. noch mit den Worten begrüßt, es wäre des Führers Geburtstag.
Das war's dann aber auch, einen Extra-Schnaps gabe es nicht...

Mich wunderts dann doch, dass auch Dekaden nach dem Ende des 3. Reiches dieser Tag noch so präsent in der Bevölkerung ist.

Dienstag, 2. Mai 2017

Nichtsahnend und völlig ungewollt

Am langen Wochenende waren Francoise, Victor und ich unterwegs, um beim Naturmuseum den Bücherflohmarkt zu besuchen und die wirklich gutgemachte und immer wieder erweiterte Ausstellung anzusehen.
Da treffe ich unverhofft einen Bekannten (seit rund 10 Jahren nicht mehr gesehen), der in einer Drei-Buchstaben-Partei engagiert und anscheinend auch etwas aufgestiegen ist.
Wir schütteln ein wenig die Hände und tauschen kurz freundliche Worte aus, da kommt an ihm vorbei ein weiterer Schlipsträger und schüttelt mir auch kurz die Hand, nickt mir freundlich zu, sagt seinen Namen und verschwindet - mit meinem Bekannten im Schlepptau.

So plötzlich trifft man auf einen Spitzenpolitiker - hoffentlich hat es niemand fotografiert.

Donnerstag, 27. April 2017

Rassismus im Alltag

Heute habe ich Altglas weggebracht.
Es sammelt sich doch immer wieder schneller an, als man so denkt.

Dabei fiel mir auf, dass ich nur Weißglas im Körbchen hatte - kein farbiges Glas.
Muss ich mir da jetzt ernsthaft Gedanken machen?

Mittwoch, 12. April 2017

Kostbare Momente

... ein Jahr kann eine Perle sein
und ein Jahrhundert nichts...

Anders ausgedrückt: Feste feiern, wie sie fallen.

Yolande kam ins Wohnzimmer, um Gutenacht zu sagen.
Der Ofen bollerte vor sich hin, sie kuschelte sich "nur gaaanz kurz" an Francoise.
Das Gespräch kam auf Musikvorlieben gestern und heute und schon sangen wir Sachen aus Kindertagen: Lieder von Daniel Kallauch, Hits aus dem Kindergarten, Fahrtenlieder der Pfadfinder und landeten schließlich bei den Wise Guys.

Es war eine Dreiviertelstunde mit Gesang und Erinnerungen - eine Perle, ein Juwel.
Auch wenn wir dadurch alle später im Bett waren, als geplant, war es das wert.

In zwei Jahren wird Yolande nicht mehr bei uns wohnen, da gilt es jeden schönen Moment auszukosten.

Donnerstag, 6. April 2017

Sturm im eigenen Haus

Unser Haus ist schon älteren Datums.

Wenn der Sturm tost, so wie gestern abend, kann es sein, dass sich unvermittelt die eine oder andere Tür öffnet. 

Man sitzt also nichtsahnend in der Küche und plötzlich öffnet sich die Tür zu Speisekammer.

Vielleicht ist es aber doch ein Hausgeist, der seine Runde macht und mit kaltem Hauch an uns vorbeischwebt...

Montag, 27. März 2017

Jetlag

Wie immer im Frühjahr wird die Zeit umgestellt.

Dieses Mal habe ich mitgezählt, wieviele Uhren ich habe verstellen müssen.

Es waren 12 Uhren.

Nicht alle habe ich am Sonntag eingestellt, einige habe ich schon tags zuvor auf Sommerzeit umgestellt, weil ich dort selten vorbeikomme oder auch gerade in dem Moment daran gedacht habe.
Zwei Uhre sind mir erst am Montagmorgen unter die Finger gekommen.

Und Ihr?
Wieviele Uhre habt Ihr umzustellen?

Dienstag, 21. März 2017

Verschiebung von Prioritäten

Yolande wurde am frühen Morgen von einer Party abgeholt.
Mit unserem Mercedes 124 fuhr ich bescheiden vor und gab mich cool - nichts sagen, nichts fragen.
Claude, der ein Stück mitfuhr, sagte: Cool!!!!!! Ich mag alte Autos.

Welch ein Unterschied zu Victors Freunden, die jedes Mal fragen, ob wir es mit der alten Karre denn noch bis nach Hause schaffen werden.....

Montag, 20. März 2017

Meine Autofahren-Playlist

Was heute eine Playlist ist, war vor 20 Jahren die gute alte Musikkassette.
Zum Autofahren hatte ich eine spezielle Kassette in mühevoller Kleinarbeit zusammengestellt; verschiedene Interpreten, diverse Stile, bekanntes und unbekanntes.
Im Autoreverse-Radio lief sie ohne Unterbrechung.

Ein bisschen Können war schon gefragt; man wollte ja die komplette Seite der MC ausnutzen, denn war ein Lied nach der Hälfte abgeschnitten, weil die Seite zuende war, zeugte das von schlechter Planung, ebenso wie eine zu lange Pausen zwischen die Stücken oder wiedermal am Ende der besagten Seite.

Am Wochenende habe ich zwar keine individuelle "Playlist" aufgenommen aber dafür meine Caro-Emerald-LP (!)  "Deleted Scenes" auf eine 60er-MC überspielt.
Es ist eine Doppel-LP mit 12 Liedern - also drei je Seite.
Früher passte sowas auf eine LP, aber bitteschön.
Acht Songs gingen auf die erste Seite, die letzten vier kamen auf die zweite Seite.
Was nun mit dem restlichen freien Platz machen?
Ich entschied mich ein persönliches "Best of" von Amy Winehouse' CD "Back to Black" anzuhängen.

Jetzt habe ich wieder eine neue Kassette für lange Autofahrten.
Der Feierabend kann kommen.

Samstag, 18. März 2017

Die Türkei

Erschreckende Aktualität im "Zauberberg", der bekannterweise Mitte der 20er Jahre erschien.
Joachim Ziemsen und Hans Castorp begegnen zum ersten Mal dem Scholastiker Naphta, der sich ein Streitgespräch mit Settembrini leistet:
Settembrini: "Die Türkei als National- und Verfassungsstaat, - welche ein Triumph der Menschlichkeit!"
"Liberalisierung des Islams", spottete Naphta. "Vorzüglich. Der aufgeklärte Fanatismus - sehr gut."

Dem ist so gar nichts hinzuzufügen.
Gar nichts.

Donnerstag, 9. März 2017

Aha - so geht es also doch

Zum Halbjahr wurde Yolande angeboten, vom Altsax auf ein Tenorsax umzusteigen.
Es ist in der Schulbigband ein Leihinstrument freigeworden und sie konnte nun die erste Geige das erste Tenorsax übernehmen (auch das einzige in der Bigband :-)
Um sich an das Instrument zu gewöhnen hat sie es mit nach Hause bekommen.
Ein gutes Instrument der Marke Jupiter, zum Zeitpunkt des Kaufes war es frisch herausgekommen und hatte durchweg gute Kritiken bekommen (mit Suchmaschine zu finden).
Doch Yolande war totunglücklich, denn sie bekam keinen ordentlichen Ton heraus.

Jetzt ist der Umstieg vom kleinen Alto aufs größere Tenor vielleicht mit dem Umstieg von einem Polo auf einen Passat zu vergleichen - eigentlich ist alles gleich, nur der Passat sieht größer aus.
Aber beim Einparken, beim Geschwindigkeitsempfinden usw. merkt man doch viele Unterschiede.

Also galt es zunächst Aufbauarbeit zu leisten: Umgewöhne, wird schon, nur Mut...

Doch dann nahm ich das Tenor, steckte "mein" Mundstück (das vom oft zitierten geliehenen Sax meines Onkels) auf und konnte butterweich von oben bis unten spielen.
Tatsächlich konnte Yolande das mit meinem Mundstück auch.

Es lag also "nur" am Mundstück, dass entweder nicht zu Yolande oder nicht optimal zum Tenor ober beiden passte.

Strahlende Augen, weil sie nun doch einen schönen Klang erzeugen konnte.
Der Umstieg von Polo auf Passat ist vielleicht doch einfacher als gedacht.



Hier könnte der Beitrag zuende sein, aber weil ich es so gerne sage, folgt noch die
abschließende Moral der Geschichte:

Das Mundstück ist beim Saxophon ein wichtiger Teil, der zum Klang und zur Funktion beiträgt.
Harmonieren Spieler, Mundstück und Instrument nicht miteinander, klingt es mies und Frust stellt sich ein.
Dabei können die einfachsten Mundstücke (z.B. Yamaha C4) schon zu einem besseren Klang und einem großen Erfolgserlebnis führen, wenn man das Standardplastikding, das dem nagelneuen (teuren) Sax beigelegt war genervt in die Ecke geworfen hat.

Mein Tip: Mundstücke beim Händler kaufen, aus einer größeren Auswahl anspielen und aussuchen und auch Mundstücke der gleichen Art, Größe und Form ausprobieren. Dann selbst wenn "Yamaha C4" draufsteht, gibt es Unterschiede, Abweichungen, Montagsmodelle und Spitzenteile - die alle identisch aussehen und ihren Charakter erst im Spiel offenbaren.
Lieber ein tolles Mundstück und ein Einsteigerinstrument, als 5000 für ein Saxophon auf den Tisch legen und dann beim Mundstück sparen - mit dem Ergebnis, dass der Klang nicht schön ist.